Die Fraktion der Liberalen im Pforzheimer Gemeinderat hat die Stadtverwaltung heftig bei der Umsetzung des geplanten Sozialcontrollings kritisiert: „Seit zwei Jahren eiert die Verwaltung daran herum, lange Zeit unter Federführung des heutigen Oberbürgermeisters Gert Hager. Konkrete Controlling-Maßnahmen sind bis heute nicht zu sehen. Stattdessen folgt eine Grundsatzdiskussion der anderen, ein Arbeitsgruppentreffen dem nächsten, als ob die Stadt Pforzheim das Rad völlig neu erfinden müsse“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Philipp Paschen mit Blick auf die anstehende Entscheidung des Gemeinderates über die Einrichtung eines Arbeitskreises zur sozialen Steuerung (siehe Vorlage P 1008). „Jahrelange Diskussionen sind mit uns nicht zu machen, weil sie einfach niemandem helfen“, sagte Paschen und kündigte an, die Vorlage daher im Gemeinderat abzulehnen. Der jetzige Vorschlag führe bloß zu einer weiteren Verschleppung.
FDP-Stadtrat Professor Dieter Pflaum hatte den aktuellen Antrag bereits im Finanzausschuss zurückgewiesen. Er begründete dies mit den Projektkosten in Höhe von 25.000 €, die aus Sicht der Liberalen für eine bloße Rahmenkonzeption viel zu hoch seien.
Paschen erklärte, es gehe beim Sozialcontrolling schlicht darum, konkrete, einheitliche und nachprüfbare Kriterien für die Planung, Steuerung und Evaluierung sozialer Maßnahmen zu benennen. Schließlich müsse es möglich sein, unter mehreren sozialen Programmen mit ähnlicher Zielsetzung die wirksamsten zu ermitteln: „Gerade weil die Mittel der Stadt knapp sind, müssen wir so intelligent und präventiv fördern wie möglich. Wir haben im Moment einen Dschungel von Förderprogrammen, aber keinen Überblick darüber, wie wirksam sie im Einzelnen tatsächlich sind. Es geht nicht darum Sozialpolitik aus Prinzip zu begrenzen, sondern darum, diese so zu betreiben, dass sie am wirksamsten bei den Menschen ankommt“, sagte Paschen. Sozialcontrolling sei eine technische Leistung, die man der Verwaltung einer Großstadt bei entsprechendem Willen der Rathausspitze schon abverlangen dürfe.
Auch Verweise auf mögliche Erkenntnisse aus dem noch laufenden Masterplanprozess, lässt die Vertreterin der FDP im Sozialausschuss Monika Descharmes nicht als Rechtfertigung für Verzögerungen gelten. Ergänzungen oder Änderungen bei den Zielformulierungen im Sozialcontrolling werde es immer geben. Dies sei aber kein Grund dafür, das Controlling an sich auf den Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben: „Die Stadt muss jetzt endlich liefern“, forderte Descharmes.